Phenoxyethanol (PE)

Wenn sich ein ganzes Blog mehr oder weniger einem einzigen Kosmetik-Inhaltsstoff widmet, muss natürlich auch erläutert werden, worum es sich bei dieser Substanz handelt.

Phenoxyethanol wirkt bakterizid und wird in dermatologischen Produkten, wie z. B. Hautcreme, als Konservierungsstoff verwendet, wofür die Kosmetikverordnung eine Konzentration bis 1 % gestattet. […] Es wird als Lösungsmittel in Tinten, Kugelschreiberpasten, Druckpasten und Stempelfarben, als Fixativ für Parfüms und Seifen und zur Herstellung von Weichmachern und Luftverbesserern verwendet. […] Phenoxyethanol kann als Mischung mit Methyldibromoglutaronitril Allergien vom Typ 4 (Allergisches Kontaktekzem) auslösen; dabei ist die alsMDBGN/PE bezeichnete Mischung mit 4 % Anteil an allen Allergien ein häufiges Kontaktallergen.

(Quelle mit weiteren Nachweisen: Wikipedia.de)

Die Chemie dahinter ist für Laien schwer zu durchschauen, wichtig ist vor allem:

  • die Verwendung von Phenoxyethanol als Konservierungsstoff in Kosmetika bis maximal 1% (Europa, Japan, Schweiz) bzw. 5% (USA)
  • die Verwendung von Phenoxyethanol als Fixativ in Parfüms und Seifen auch in höheren Dosen
  • die Verwendung von Phenoxyethanol als Lösungsmittel für Parabene
  • in zertifizierter Naturkosmetik ist Phenoxyethanol nicht erlaubt.

Über einen Phenoxyethanol-Artikel bei TruthinAging.com stieß ich auf eine wissenschaftliche Veröffentlichung aus dem Jahr 2006, in dem PE als eine “Top-Ten Substanz” der häufigsten Auslöser allergischer Kontaktekzeme (im Jahr 2004) genannt wird.

Die zehn häufigsten Kontaktallergene im Jahre 2004 waren Nickelsulfat (mit einer alters- und geschlechtsstandardisierten Sensibilisierungshäufigkeit von 17,2 %), Duftstoff-Mix (7,2 %), Perubalsam (6,7 %), Kobaltchlorid (6,5 %), Kaliumdichromat (5,3 %), Kolophonium (4,6 %), Amerchol L101 (4,3 %), p-Phenylendiamin (4,2 %), Quecksilberamidchlorid (3,5 %) und Dibromdicyanobutan/Phenoxyethanol (3,4 %).

[…]

Da auch nach Abheilung des Ekzems die Sensibilisierung bestehen bleibt, muss der Patient über die Verbreitung seiner relevanten Allergene beraten werden, um mit seiner Allergie, die unheilbar ist, leben zu können.

(Quelle: Oppel/Schnuch – The most frequent allergens in allergic contact dermatitis)

Andere Quellen im Internet verharmlosen relativ häufig das allergische Potential. Ich verzichte darauf, diese hier aufzulisten. Wen es interessiert, mag Google bemühen.

Bei mir wurde die PE-Allergie im Jahr 2000 durch einen Allergologen diagnostiziert. Wahrscheinlich hatte ich sie schon viel länger, denn die Symptome kannte ich schon seit Anfang/Mitte der 1990er Jahre: juckende, sandpapierartig-pickelige, quaddelige Haut. Ich bekam kurzzeitig eine Kortisonsalbe und musste dann auf eigene Faust all meine Kosmetik auf PE hin prüfen und umstellen.

Nun wäre das ja alles halb so schlimm, wenn die Kosmetikhersteller ihre Inhaltsstoffe

  • lesbar,
  • auf den Produkten und
  • im Internet
  • deklarieren würden und noch besser,
  • auf Phenoxyethanol verzichten würden.

Denn nachdem Parabene als schädlich in Verruf gerieten, schien PE zunächst das kleinere Übel die bessere Lösung zu sein. Ein kompletter Verzicht auf Konservierungsstoffe ist nicht überall sinnvoll oder machbar und viele Kosmetikhersteller wollen hinsichtlich der Haltbarkeit ihrer Produkte auf Nummer sicher gehen. Generell ist das verständlich. Beispiele aus der zertifizierten Naturkosmetik zeigen aber, dass es alternative Konservierungsstoffe gibt, die besser verträglich sind. Innovative Verpackungen (die natürlich auch vom Verbraucher mit bezahlt werden!) können ebenfalls dazu beitragen, die Konservierung auf ein Minimum zu beschränken.

Im Lauf der Jahre habe ich etliche Kosmetik gefunden, die von den Inhaltsstoffen her genügend waren (was nicht zwangsläufig heißt, dass ich damit ansonsten zufrieden war). Oft genug aber bin ich auf Produkte gestoßen, deren Inhaltsstoffe ein großes Mysterium blieben, weil sie nicht (auffindbar) deklariert wurden. Es ist mir auch schon oft passiert, dass ein PE-freies Kosmetikprodukt plötzlich eine neue Zusammensetzung hatte und mit PE konserviert wurde. Total ärgerlich! Wenn man nicht gerade Produkte von Firmen benutzt, die ausdrücklich auf die Verwendung von PE verzichten, heißt es bei jedem Nachkauf wieder “Augen auf” (inzwischen auch “Lesebrille auf”). So erinnere ich mich noch sehr gut an die Maybelline Mousse Foundation, die damals, kurz nach ihrer Lancierung, zwar nur 6 Monate nach dem Öffnen haltbar, aber PE-frei war. Irgendwann war PE drin und die Haltbarkeit betrug 24 oder 36 Monate. Ein anderes Beispiel war eine Creme von Clinique, mit der ich sehr gut zurecht kam. Beim Nachkaufen hatte ich dann eben Pech …

Zum Schluss noch einige Links zu PE im Internet (wird immer wieder ergänzt):

Siobhan O’Connor and Alexandra Spunt von No More Dirty Looks “The Great Debate: Phenoxyethanol

Kosmetikverordnung (deutsche KosmetikV) als PDF via Juris (wird endgültig im Juli 2013 abgelöst von der EU Kosmetikverordnung)

Übersicht über die Naturkosmetik-Zertifikate bei Wikipedia (mit weiteren Links)